Sie befinden sich hier: Land & Leute / Geschichte der Besitzer
Mittwoch, 22.11.2017

Geschichte der Besitzer

aus: "Geschichte, Gestalt und Entwicklungsmöglichkeiten einer Hofanlage im Weimarer Land", 2002
Verfasser: Dipl.-Ing. Jörg Kölpin

1599

Inschrifttafel

Über den Bauherren selber ist nur bekannt was aus der Inschrifttafel in der Hofmauer neben der Torfahrt hervorgeht:
C. M. E. R. 1599 M. E. G. HASCE STRVI IVSSIT SIBI BOCCIVS ILLE IOHANNES AEDES QVI HIC SVMMI PASCIT OVES
"1599 Dieses Gebäude ließ sich errichten Johannes Boccius, der hier die Schafe des Höchsten hütete."(1)
Der lateinische Pentameter umschreibt treffend die eigentliche Berufung des Bauherrn. Vermutlich ließ sich der Pfarrer Johannes Bock das Wohnstallhaus als Alterswohnsitz errichten. Pfarrhof selber war die Hofstelle des Hauses Nr. 3 in Hohlstedt nie gewesen. Private Landsitze von Geistlichen und Professoren waren zu jener Zeit nicht selten.(2)
Es lassen sich für diese Zeit zwei Pfarrer mit dem Namen Johann Bock im Hohlstedter Umfeld nachweisen:
Johann Bock der Ältere arbeitet von 1576 an als Pfarrer in Daasdorf bei Buttelstedt.(3) Bis 1618 war er Pfarrer in Apolda, wo er in diesem Jahre starb.(4) Vermutlich ließ er das Wohnstallhaus erbauen.
Johann Bock der Jüngere hatte von 1613 bis 1620 das Amt als Pfarrer in Vollersroda inne(5) und arbeitete von 1620 bis 1624 in Frankendorf. Von dort wurde er 1624 nach Denstedt berufen, wo er 1637 starb.(6)

1641 - 1976

Der Familienname Ulenstein wird schon 1542 in Hohlstedt erwähnt.(1) Die Eulensteins werden 1641 erstmals im Zusammenhang mit dem Hof genannt.(7) Sie besitzen ihn mehrere Jahrhunderte lang. Ihre Initialen verewigen sie bei den Umbauten im Jahre 1929. Die Inschrifttafel "H.E. 1929" an der nördlichen Hoffassade des Jungviehstalls bezieht sich auf Hugo Eulenstein, dessen Grabstein noch heute auf dem Hohlstedter Friedhof zu sehen ist.

Die schmiedeeisernen Lettern "F" und "E", an den Stahlträgern des Pferdestalls hofseitig befestigt, bezeichnen vermutlich Franz Eulenstein, der auch für die Errichtung des Scheunenanbaus verantwortlich war.(8)

Matha Eulenstein 1948 am kleinen Torbogen mit Frau Wabra (Flüchtlingsfamilie aus Schlesien)
Matha Eulenstein 1948 am kleinen Torbogen mit Frau Wabra (Flüchtlingsfamilie aus Schlesien)

Mit der letzten Bewohnerin Martha Eulenstein stirbt 1976 die Eulensteinsche Linie in Hohlstedt aus.

 

 

Herr Bernd Reimann stellte uns freundlicherweise dieses und weitere Bilder aus dem Eulensteinschen Foto-Album zu Verfügung.

1979

Auf Initiative von Karl Moszner, dem heutigen Kreisheimatpfleger, kaufte der Rat des damaligen Kreises Weimar den Eulensteinschen Hof. Das zu diesem Zeitpunkt neu gegründete Freilichtmuseum Hohenfelden bekam den Hof als Geschenk zur Museumsgründung. Das "Präsent" bedingte die Vorgabe der Translozierung des Wohnstallhauses zum Erhalt desselben nach Hohenfelden. Vorläufig war jedoch angedacht, den Hof als Außenstelle des Museums zur Magazinierung von Sachzeugen(9) zu verwenden. Hartmut Wenzel, der damalige Direktor des Freilichtmuseums Hohenfelden, kümmerte sich zunehmend um den Erwerb von Gebäuden zur Substanzerhaltung und zur Vorbeugung des drohenden Abrisses. Im Zuge dieses Erwerbs war vorgesehen, einen Pfarrhof nachzustellen, wobei die Gebäudesubstanz mit Ausnahme des Hohlstedter Wohnstallhauses von ehemaligen Pfarrhöfen stammte. Es war geplant, das Wohnstallhaus des Eulensteinschen Hofes (1599) nach seiner Translozierung mit einer Scheune und einem Schafstall aus Sundhausen (1538), einem Schweinekoben (Blockbau) aus Lippersdorf, einer Remise aus Sundhausen (1648) und einem Taubenhaus aus Großfahner zu einem kompletten Hofensemble zu vereinigen.

1993

Der Widerstand der Gemeinderäte gegen die geplante Translozierung des Wohnstallhauses führte einen Kreistagsbeschluß herbei. Hierbei wurde der Hof dem Freilichtmuseum Hohenfelden entfremdet. Man verkaufte an einen Kölner Privatmann, der die Restaurierung und spätere öffentliche Nutzung zusagte.(1)
Es geschah jedoch nichts, der Zustand des Hofes verschlechterte sich zusehens.

2001

Der bauliche Mißstand der gesamten Hofanlage, insbesondere des Wohnstallhauses, war Anlass zur Gründung des Vereins "Eulensteinscher Hof? e.V. am 18.01.2001. Zweck des Vereins ist die Rettung, Erhaltung und Nutzung des Eulensteinschen Hofes. Das primäre Ziel des Rückkaufes des Hofes scheiterte anfangs an der Finanzierung. Nach zähen Verhandlungen mit dem Rat des Kreises Weimarer Land sowie dem damaligen Besitzer erwarb der Verein am 12.11.2001 das einstige Eulensteinsche Anwesen. Kurzfristig hat sich der Verein um die Notsicherung der Gebäudesubstanz bemüht (eine temporäre Neubedachung einiger Gebäude erfolgte am 24.11.2001). Langfristig sind eine schrittweise Sanierung und Durchsetzung einer denkmalverträglichen Nutzung angedacht.

Quellen:

(1) Breuer, A. ? "Das Eulensteinsche Haus in Hohlstedt - ein gesamtdeutsches Drama?, in: Der Holznagel ? Mitteilungsblatt der IG Bauernhaus e.V., Heft 6/2000, S.26/27
(2) Schmolitzky, O. ? "Das Bauernhaus in Thüringen?, Akademie - Verlag Berlin 1968, S. 100
(3) de Wette, G.A.O.J. ? Das Weimarische evangelische Zion oder Nachrichten von sämtlichen evangelischen Predigern der Residenzstadt Weimar und den innen benannten Orten von der Reformation an bis auf jetzige Zeiten, Thüringer Hauptstaatsarchiv Weimar, F 173 Bl. 61
(4) de Wette, G.A.O.J. ? Das Weimarische evangelische Zion oder Nachrichten von sämtlichen evangelischen Predigern der Residenzstadt Weimar und den innen benannten Orten von der Reformation an bis auf jetzige Zeiten, Thüringer Hauptstaatsarchiv Weimar, F 172 Bl. 108
(5) de Wette, G.A.O.J. ? Das Weimarische evangelische Zion oder Nachrichten von sämtlichen evangelischen Predigern der Residenzstadt Weimar und den innen benannten Orten von der Reformation an bis auf jetzige Zeiten, Thüringer Hauptstaatsarchiv Weimar, F 171 Bl. 118
(6) de Wette, G.A.O.J. ? Das Weimarische evangelische Zion oder Nachrichten von sämtlichen evangelischen Predigern der Residenzstadt Weimar und den innen benannten Orten von der Reformation an bis auf jetzige Zeiten, Thüringer Hauptstaatsarchiv Weimar, F 171 Bl. 20
(7) Studentennotiz von 1961, Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Architektur, Professur für Entwerfen und Ländliches Bauen
(8) Zeichnung zu einem Scheunenanbau für Herrn Franz Eulenstein, Hohlstedt; vermutl. 1914, Original im Kreisarchiv Apolda
(9) Das Freilichtmuseum Hohenfelden ? Arbeitshefte des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege, Heft 16 S. 41