Sie befinden sich hier: Haus & Hof / Wohnstallhaus / Küche
Mittwoch, 22.11.2017
Der Backofen funktioniert auch nach vielen Jahrzehnten.
Teigbereitung
Das Brot ist gelungen...
...und der Kuchen auch

Die (früher: Schwarze) Küche

Als Küche bezeichnet man den Raum der Hauses, in dem das Essen zubereitet wird. Hier wurden Speck und Wurst geräuchert und gelagert, im eingebauten Backofen wurde Brot gebacken.
Die Küche befindet sich im Erdgeschoss neben der hofseitigen Kammer, welcher in jüngerer Zeit die Funktion als zweite Stube zugesprochen werden kann. Die starken Schwärzungen der Wände und Decken belegen, daß die Küche über lange Zeit ein offenes Herdfeuer besaß. Mit dem Einbau eines gemauerten Schornsteines im 19. Jahrhundert wurde es von einem geschlossenen Herd abgelöst. Es ist nicht mehr ermittelbar, wann der alte deutsche Schlot durch den aus Ziegeln gemauerten sogenannten russischen Schlot ersetzt wurde. Durch die Zeichnung von Matthias Schleiden ist belegt, daß der gemauerte Schornstein schon 1862 vorhanden war.
Lage und Größe der Öffnung des ursprünglichen Rauchzuges sind an der Decke vor dem heutigen Schornstein ablesbar. An der Innenwand, nahe dem Flur, muß die offenen Herdstelle gelegen haben. Diese These wird durch die feste Rußkruste an der Lehmwand bestätigt..
Vermutlich wurde der Rauch des Herdfeuers mittels eines an Decke oder Wand angehängten Rauchfanges eingefangen und über den auf der Geschoßdecke über der Küche aufstehenden Rauchzug in den Dachraum über der Kehlbalkenlage abgeleitet. Oberhalb der Kehlbalkenlage zog der Rauch vermutlich durch giebelseitige Rauchlöcher ab. Hofseitig befand sich das Rauchloch vermutlich direkt unter dem First, straßenseitig war es wahrscheinlich in das rautenförmig verstrebte Giebeldreieck integriert. Die Ableitung des Rauches über die obengenannten Rauchlöcher schließt eine Durchbrechung der bauzeitlichen Strohdeckung durch einen Kamin aus.
Die Schwärzung der Wand- und Deckenflächen macht die ursprüngliche Luftstömung  im Haus nachvollziehbar. Der Eingangsbereich war demzufolge rauchfrei, die ca. 50 cm mal 60 cm große Öffnung neben der Tür kann als die Zuluftöffnung bei geschlossener Tür angesprochen werden. Da das offene Herdfeuer auch im Sommer bei hohen Außenlufttemperaturen zum Kochen genutzt wurde, kam der Zuluftöffnung eine wichtige Funktion bei der Rauchführung zu. Die Schwärzung nimmt zum Rauchabzug hin stark zu, die Küche ist in ihrer vollen Tiefe geschwärzt.
Ein Teil des Rauches ist offensichtlich über die Treppenöffnung in den oberen Flur und von hier über die offene Bodentreppe in den Dachraum abgezogen, wie die stärkere Schwärzung der Wände und Decken des oberen Flures belegen. Die treppenseitige Schwärzung der nachträglich eingebauten Trennwand im oberen Flur ist nur so zu erklären.
Zwischen Küche und Mittelflur ist keine Wand nachweisbar. Da die verputzte Verbretterung der Decke über der Zwischenwand durchläuft, kann die heutige Querteilung der Küche erst nach Aufgabe des offenen Herdfeuers erfolgt sein. Die Verbretterung ist nicht rauchgeschwärzt. Wahrscheinlich wurde sie zur Verkleidung der geschwärzten Decke eingebaut, da der Sott durch Anstriche und Putze durchschlägt. Aus dem gleichen Grunde hat man wohl auch die Außenwände in der von der Küche abgetrennten Kammer mit einer vorgemauerten Lehmsteinwand versehen.
An der bauzeitlichen Decke ist im hinteren Teil ein ungeschwärzter Lehmputz erhalten. Mit Hilfe dieses Befundes kann man davon ausgehen, daß dieser Bereich von der Küche an anderer Stelle bereits vorher abgetrennt war, vermutlich durch eine Bretterwand. Hier könnte sich vielleicht die Speisekammer befunden haben.
Der heutige Backofen wurde vermutlich 1929 eingebaut. Aus dieser Zeit stammt auch der gemauerte Waschkessel, der wie auch der Backofen über ein Ofenrohr an den Schornstein angeschlossen ist.